Die Politik schwimmt, sie betreibt nicht sondern wird getrieben. Bevor jetzt die Wasser über den Rand stürzen, ist der Fluß bis zur letzten Sekunde in Ruhe wie stillles Gewässer. Doch dann kommt der Fall.

Das geringe Gefälle im Strom der Reden muss aber nicht in baldiger Mündung enden. Vielmehr deuten zunehmende Wortgeräusche auf verborgenen Zwang. So bedürfen Lügen, die nicht für sich sprechen, des ständigen Wiederkäuens (in allen Medien). Die Erscheinungen darin sind auch im Fluß. Kommen sie an die gefürchtete "Schwindelklippe", reißen die Hüllen und die allseits gefürchtete Antilüge, der Schlußpunkt jeden Geschwätzes, kommt ans Licht. Dies hemmt das Weiterreden, die Stimmigkeit wirkt mitreißend, die Münder sind offen nicht wegen der Worte sondern vom Staunen. So staunte man nicht schlecht, daß in einer Sendung (Maybritt Illner) Kopftuchzwang und zwangshafte Zurschaustellung des Kruzifixes als gleichwertig von der Runde angesehen wurde. Nur der CSU-Grande enttarnte sich. Selbst nach zweimaligen Verlesen des Urteils des Verfassungsgerichts, nach dem in staatlichen Schulen für das Kruzifix kein Raum ist, leugnete er und beharrte auf nur in Bayern gültige Gesetze. Für diese Leute ist das Kruzifix nur ein Instrument der Macht. Das Symbol wird mißbraucht, um zu unterwerfen. Dies zu ächten wie auch den Zwang zum Kopftuch ist Christentum, das sich aber nicht in Parteien findet.

Falsche Symbole ruinieren kurzerhand jeden Mythos. Dogmatik kann das, was ans Licht will, nur zeitweise verstauen. Doch plötzlich ist alles hin. So sei die Bibel nach katholischem Dogma in jeder Beziehung vollgültig, obwohl z.B. zwei Evangelien (Matthäus und Lukas) für Joseph zwei verschiedene Väter nennen. Lukas führt die Blutslinie von David über Salomon zu Eli, während Matthäus diese von Nathan bei Jakob als Vater Josephs enden lässt. Auch in der Zeit der Wunder damals hatte niemand zwei Väter. Rudolf Steiner löste diesen Knoten so: es hätte damals zwei Familien gegeben namens Joseph und Maria mit jeweils einem Sohn Jesus. Beider Söhne Wesen, davon der eine mit dem Ich des Zarathustra begabt, seien durch einen komplexen Seelenprozeß im Alter von 12 Jahren miteinander verschmolzen. Überzählige Personen verschwanden dann ohne Spuren zu hinterlassen (siehe Gesamtausgabe Band 15, "die geistige Führung der Menschheit").

Von Lukas heißt es aber, daß er nicht völlig verlässlich sei. Eine gewisse Voreiligkeit hätte er nie ganz überwunden. Es ist kein Anlaß, seine Generationenfolge insgesamt zu verwerfen, nur beim letzten Sproß liegt er falsch. Nicht Eli ist es, sondern der letzte dieser Kette ist Joachim, der Vater der Maria, der mit der Anna verheiratet war. Beide Stammbäume führen konsequent zu einer Heiligen Familie. Der Salomonische zu Joseph, der Nathanische aber über Joachim zu Maria. Diese konnte nach damaliger strenger Sitte nicht in der Generationenkette genannt werden, Geschlechtsregister wurden nur über die "Väter" geführt. Eine zweite Familie gleichen Namens mag es gegeben haben, sie ist nicht in das Mysteriengeschehen verwickelt. Aber noch weitere Gründe sprechen gegen die Vermutungen Steiners, die er nur in frühen Vorträgen vorbrachte und später nie wiederholte.

Die unbefleckte Empfängnis und ihre einzigartige Bedeutung für den Urimpuls des Christentums wurde von Steiner nie in Frage gestellt. Eine Vernetzung dieses Impulses mit einer zweiten Familie wäre aber unbezweifelbar eine Verunreinigung oder Verwässerung des zentralen Geschehens der Menschheit, das nur die Unbeflecktheit der Maria bedurfte. Mit Jesu endigte das nathanische Blut. Über Salomon strömte Davids Blut durch Joseph an Jesus vorbei bis in unsere heutige Zeit. Der Sohnesimpuls aus der Trinität selbst kommend bedurfte keinerlei Förderung durch irgendwelche Taten seiner Geschöpfe. Seine von Urbeginne geplante Verbindung mit dem Fleisch ist Sein Werk allein und Er ohne "Helfer". Zweifellos waren damals die größten Geister aller Zeiten und aller Hierarchien in der Nähe der Taten wegen, von denen Johannes sagt, es gäbe keine Bücher, sie zu erzählen. Ein wunderbares Dokument in diesem Zusammenhang ist und bleibt Klopstocks Messias. Unter den Geisterscharen befand sich gewiß auch der Zarathustra, der sich aber nicht in einem zweiten Jesus inkarnierte sondern naheliegenderweise in Johannes, dem Jünger, den der Herr lieb hatte. In dem anderen Johannes, der Sohn des Zacharias und der alten Elisabeth, einer Muhme der Maria und somit der Großonkel des Jesus, erlebte der Erzengel Michael damals seine hohe Zeit im Fleisch.

Trügerische Erkenntnisse verdanken wir unserer Beschränktheit vor der Tiefgründigkeit des zweiten Schöpfungsimpulses. Bedenklich ist jedoch, daß Steiner seine Konstruktion aus später gewonnener Einsicht über die Defizite seines Christusverständnisses nie überprüfte und letztlich einer phantastischen Spekulationen den Grund bereitete (siehe Emil Bock "Kindheit und Jugend Christi).

Eines ist gewiß: eine Blutsverbindung des Christus mit dem Vererbungsstrom hat es nie gegeben. Sein Blut ist allein in die Erde übergegangen, damit alles neu werde und nicht zu den Merowingern, dem Haus Habsburg oder gar den Windsors oder der Prieuré de Sion, damit alles beim Alten bleibt. Diese Ansprüche sind übelste Taten zur Erlangung und Sicherung der Macht und so wie Dan Browns Machwerke vom Vater aller Lügen und vom Urgrund der schwarzen Magie!

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